FLORIAN GÜNTHER

11 Uhr morgens

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Florian Günthers Gedichte sind mit einer solchen Wucht geschrieben, als bestünde noch Hoffnung. Schön gesagt von mir, es stammt aber aus der Zeitschrift "Rolling Stone". Unbekannte Autorennamen sind in anderen Szenen gar nicht so unbekannt. Das Zitat bezeichnet das, was Florian Günthers Methode des Gedichteschreibens ist. Wenn man Florian Günther liest, merkt man: hier schreibt einer mit einer Unmittelbarkeit, die einen ins Grübeln darüber bringt, wieso andere, bekanntere Lyriker so blutarm und verkopft daherschreiben.
Günther lebt und schreibt da, wo das Leben unten stattfindet, er sitzt nicht in den literarischen Salons in Charlottenburg, sondern in Kneipen, oder in Höfen, da wo verlotterte Hausfrauen auftauchen, wo betrogen wird. Er erzählt von Leuten, die unten sind und trotzdem lachen. Günthers Gedichte und Texte sind nicht so gestrickt, dass sie unbedingt literaturpreisverdächtig wären. Um durch Preise belohnt zu werden, da muss man in diesem Land unverständlichere Gedichte schreiben.
Die Ästhetik Florian Günthers ist es also, das Komplizierte der Gefühle und Zustände verstehbar zu formulieren. Das Formulierungsprinzip Günthers ist der authentische Stil. Das macht noch keine guten Gedichte. Deshalb: Dazu kommt bei Günther eine gut ausgebildetes Gespür für Sprachverknappung im lyrischen Text, verbunden mit einer sprachlich-gedanklichen Auflösung, die oft im Lapidaren, im Beiläufigen liegt.
Florian Günther wird gerne in die Bukowskischublade gesteckt. Schreibst du verständlich und sparst mit Drastischem nicht, schreibst du wie Bukowski, urteilen die deutschen Kritiker. Demnach müssten auch lyrische Berühmtheiten wie Wolf Wondratschek wie Bukowski schreiben. Aber Wondratschek war eher bekannt als Bukowski, was den Schluss zuließe, das Bukowski wie Wondratschek geschrieben hat. Der hat ihn aber gar nicht gekannt.
Ich weiß, dass Florian Günther Bukowski gar nicht gekannt hat, als ihm seine Leser sagten, er schriebe ja wie jener. Man kann sich das auch sparen. Günthers drastische Gedichte spielen im Berlin von hier und heute und von den täglichen Widerstandskämpfen gegen die Resignation berichten, das ist ihr Verdienst. Diese Texte sind wie frisches kräftiges Schwarzbrot mit Schmalz und Salz. Aber dazu bitte ein Frischgezapftes.

 

(Salli Sallmann, KULTURRADIO)

 

Edition Lükk Nösens 2007 | Nachwort: Johannes Jansen | 96 Seiten | Paperback | 20 x 13 x 0,8 cm