FLORIAN GÜNTHER

Nuttenfrühstück

Nuttenfrühstück
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Das hat die alte Nachbarin immer gesagt: Man muß es nehmen, wie es kommt! Das sagt so auch Florian Günther in seinem Gedicht „Man muß es nehmen / wie es kommt.“ Er sagt, was er meint. Und er meint immer ein Quentchen mehr, als er gesagt hat. Der Lyriker läßt sich nicht vom Alltäglichen und Alltagssprachlichen abdrängen. Er sorgt dafür, daß das Alltägliche und Alltagssprachliche nicht in der Wüste der Banalität versickert. Günther will Pointen. Sie erst geben seinen Gedichten die Würze des Witzes und machen seine Poesie - ums mal hochtrabend zu sagen - zur pointierten Philosophie. Einfacher: Günther nähergekommen, die Bauernschläue der Gedichte begriffen, verlieren die Leser die Furcht, in die geistige Gosse gezerrt zu werden. Der Lyriker fackelt nicht lange. Rigoros holt er in den Hinterhof des Lebens. Es riecht nach Angebranntem, Aufgekochtem und Ausgekotztem. Der Geruch des Geschlechtermiefs dringt durch sämtliche Ritzen und Löcher. Suff versperrt Kopf und Füßen den geraden Weg. Kennen wir doch?! Seit wir Charles Bukowski kennen. Günther ist nicht Bukowski. Obwohl man beide so sehen kann: Brüderlich vereint, am Rande der Tischkante, in einer Destille der Oranienburger Straße. Das Dumme, Dumpfe, Dürftige, das so nah ist, mitten in Deutschland, mitten in Berlin, mitten im Leben, das immer das Drückende und Erdrückende ist, hat sich in die Verszeilen des Florian Günther hineingezwängt. Immer wieder muß er vom Dummen, Dumpfen, Dürftigen reden. Er sitzt da und kann nicht anders. Nichts ist zu verdrängen. Die Worte des Lyrikers sind nicht widerwillig gesetzte Worte. Es sind Worte, die laut und stark, nie drängend und deklamatorisch, den Wider-Willen äußern, den täglich-alltägliche Widrigkeiten, Widerwärtigkeiten, Widersinnigkeiten verursachen. Die Worte sind die Wehr, die Geschlagenen möglich ist, sofern und solange sie sich der Sprache bemächtigen können. Wie Florian Günther. Sein Gedichtband „Nuttenfrühstück“ ist die gesammelte Abwehr des Lyrikers. Er läßt sich das Lachen nicht verbiestern. Er läßt lachen. Wie gesagt: „Man muß es nehmen / wie es kommt.“ Auch die Gedichte des Florian Günther. Von der ersten bis zur letzten Seite. Wie sie kommen. Man wird heiterer im Nehmen. Und es wird leichter!

 

(Berliner LeseZeichen, Ausgabe 08/01)

 

Edition Lükk Nösens 2000 | Nachwort Thomas Günther | 112 Seiten | Paperback | 20 x 13 x 0,7 cm