SUSANN KLOSSEK

Pferde wetten nicht auf Menschen

Roadpoem

Pferde wetten nicht auf Menschen

Susann Klosseks Roadpoem ist eine poetische Weltreise auf 300 Seiten. Dabei meint "poetisch" keineswegs von metapherberstender Sentimentalität.  Susann macht wie immer Tabula rasa und fegt wie ein literarischer Tornado über den Globus. Dabei ist das Auge des Sturms ein äußerst genauer Beobachter. Und so wird schnell klar: Weder im nächsten geschweige denn im übernächsten Tal ist das Gras hellgrauer als zu Hause.

"Das Buch ist nicht nur wunderschön aufgemacht, nein, sein Innenleben ist ein Feuerwerk aus Witz, Geist, Wortgewalt und einem erfrischend boshaften Blick auf die Welt und ihren Zustand, wobei auch die leisen Töne nicht zu kurz kommen … und man kann lachen. An manchen Stellen laut und lang."
Karin Braun, http://lesen-gefaehrdet-die-dummheit.de

 

"Umso länger ich an dieser Lesereise teilnehme merke ich, wie da kein Ausweichen, kein Schwanz einziehen mehr möglich ist. Der Stoff ist stark, ist zwingend und ich werde, wenn ich den Deckel hinten zuklappe mit einer aufgefrischten Unruhe im Ranzen, also ganz gewiss als ein anderer rauskommen, als der wo vorne rein ist."
Pierroz, www.vitaltransformer.ch



Susann Klossek // Pferde wetten nicht auf Menschen // Roadpoem // 312 Seiten // ISBN: 978-3-944564135 // 18,00 €


LESEPROBE:

Tanger die Nostalgische

 

 

einst fuhr ich in einem Ford P2

die Straße von Gibraltar entlang

es hatte viel Wasser auf der Fahrbahn

keine Ahnung wo das herkam

eine scheinbar unendliche Odyssee

auf der ich schließlich

in einer Stadt landete

mit weißen Häusern

und Sandsteintreppen

die geradewegs in den Himmel führten

so stahlblau und klar

dass er mir wie Messer in die Augen stach

 

*Das ist Tandscha*

sagte ein seltsamer, dünner Typ geheimnisvoll

ein Morphinist

der sich kaum artikulieren konnte

und seine Frau erschossen hatte

wie man mir später flüsterte

er stellte sich mir als Lustsucher vor

 

gegen drei traf sich William, wie er hieß

mit Allen, Peter, Gregory, Jack und Timothy

zum verspäteten Lunch

naked, versteht sich

einer vollgedröhnter als der andere

 

sie waren Steppenwölfe ohne Steppe und

ohne wirkliche Wolfsnatur

trotzdem unbändig und wild

einsam

heimatlos

schwebend zwischen Geist und Trieb

auf der Flucht vor der

kleinbürgerlichen Harmonie

und intellektueller Begrenztheit

 

meistens waren sie traurig

und wenn sie mal glücklich waren

sehnten sie sich nach dem Unglück

nie hielten sich Glück und Leid die Waage

mit jeder neuen blauen Stunde

begriffen sie das Leben

zunehmend als sinnlos

trotzdem hatten sie etwas Unentschlossenes

 

über einem Meer der Schwere

schwamm ein flüchtiger Traum aus Leichtigkeit

und die glühendheiße Sonne Marokkos

zerfraß ihre Opium-Hirne

die wie Brandung an die Klippen schlugen

wie vom Wind angetriebene

sich überstürzende Wellen

auf Untiefen und Küsten treffen

sie waren unbeugsam

getrieben von der Sehnsucht nach Leben

in diesen Tagen in Tanger

doch die Freiheit war letztlich

nur im Tod zu finden

 

18,00 €
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